Bertram Kasper

Die Kunst der fallenden Bälle – Jonglieren im Alter

Drei Bälle, zwei Hände und dieser Wunsch, alles im Griff zu haben. Dann fällt einer. Ich bücke mich, hebe ihn auf und werfe neu. Beim Jonglieren lässt sich ziemlich gut beobachten, wie ich mit mir selbst umgehe.

Früher war da schnell ein Vorwurf. Heute gelingt mir öfter ein freundliches „Na gut, noch einmal“. Das tut mir auch jenseits der Jonglierbälle gut. Ein Vorhaben darf scheitern, während die Lust aufs Ausprobieren bleibt. Gerade beim Älterwerden möchte ich mir diese Freiheit erhalten.

Dabei frage ich mich zunehmend, was ich überhaupt noch in der Luft halten will. Meine Eitelkeit verträgt einen Aufprall. Die Beziehungen zu meinen Töchtern brauchen Behutsamkeit. Zwischen Glas und Gummi zu unterscheiden, wird für mich zu einer Lebensaufgabe.

Davon erzählt mein neuer Text in „Gehstock und Grips“. Vom Mut, abermals Anfänger zu sein, und von der Geduld, die wächst, wenn wieder ein Ball am Boden liegt. Vielleicht beginnt Gelassenheit genau dort, wo ich mich bücke und dabei freundlich mit mir bleibe.

Welchen Ball hältst du noch in der Luft, obwohl du ihn längst ablegen möchtest?