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Dein Leben im Jetzt leben: Unsere 200. Folge schenkt dir Zeit
200 Podcastfolgen. Als Catharina und ich diese Zahl vor Augen hatten, lag eigentlich auf der Hand, was jetzt kommen müsste: eine große Jubiläumsausgabe. Mit Rückblicken, besonderen Gästen, Glückwünschen und Geschichten aus fünf Jahren „Gelassen älter werden“.
Stoff genug hätten wir gehabt. Locker für eine Stunde, wahrscheinlich für drei.
Doch dann kam uns ein anderer Gedanke. Was wäre, wenn wir dir zur 200. Folge ausgerechnet das schenken, was im Alltag so oft fehlt? Keine weitere Geschichte. Sondern Zeit.
Deshalb dauert diese Folge genau 200 Sekunden.
Was schenken wir dir zu unserer 200. Podcastfolge?
Jubiläen verführen zum Zählen. Wie viele Episoden sind erschienen? Welche Gäste waren da? Wie viele Menschen haben zugehört? Natürlich freuen wir uns über all das. Sehr sogar. Hinter jeder Folge stecken Neugier, Arbeit, Begegnungen und diese besondere Spannung kurz vor einer Aufnahme. Und hinter jeder Downloadzahl sitzt ein Mensch, den wir meistens nie sehen werden.
Vielleicht hast du uns zehn Folgen lang begleitet. Vielleicht zwanzig. Vielleicht tatsächlich alle zweihundert. Dafür möchten wir dir von Herzen Danke sagen.
Doch unser Podcast war nie als Schaukasten für das gedacht, was wir erreicht haben. Er handelt vom Leben. Vom Älterwerden, von Aufbrüchen und Abschieden, vom Mut, die eigene Lebensphase zu gestalten. Also haben wir uns gefragt: Was passt stärker zu diesem Podcast als eine weitere volle Stunde Rückschau?
Die Antwort war verblüffend schlicht: eine freie Stunde. Oder wenigstens fast.
Der Warteraum namens irgendwann
„Hör auf“, sagen wir gleich am Anfang der Folge. Das klingt erstmal ziemlich schroff. Gemeint ist natürlich: Hör auf, dein Leben auf später zu verschieben.
Dieses „später“ kennen wir wohl alle. Irgendwann rufe ich ihn an. Irgendwann sage ich ihr, was sie mir bedeutet. Irgendwann fahre ich an diesen Ort, beginne zu schreiben, gehe wieder tanzen oder setze mich einfach mal in Ruhe auf die Bank vor dem Haus.
Irgendwann klingt großzügig. Das Wort stellt uns einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Zeit in Aussicht. Zugleich ist es ein seltsamer Warteraum. Wir legen dort Wünsche, Gespräche und kleine Sehnsüchte ab. Fein säuberlich, als könnten wir sie später unversehrt wieder abholen.
Manches wartet dort sehr lange.

Mit dem Älterwerden verändert sich unser Verhältnis zur Zeit. Ich meine das ohne düstere Stoppuhr im Hintergrund. Es geht auch nicht darum, von nun an jeden Tag bis zum Rand mit Erlebnissen vollzustopfen. Eher wächst die Ahnung dafür, was die eigene Zeit verdient und was sie bloß verbraucht.
Ich nenne das Vergänglichkeitskompetenz. Das Wissen um die Endlichkeit darf an unserer Seite gehen, ohne uns anzutreiben. Es macht den Augenblick kostbar, aber keinen Wettlauf daraus.
Ein Mensch. ein Satz. ein Heute
In den 200 Sekunden unserer Jubiläumsfolge geben wir drei kleine Gedanken mit:
- Ruf den Menschen an, dessen Stimme du gerade hören möchtest.
- Sag den Satz, den du schon lange sagen wolltest.
- Tu heute etwas, für das du angeblich irgendwann mehr Zeit haben wirst.
Das müssen keine großen Gesten sein. Vielleicht ist es ein „Danke“. Ein „Du fehlst mir“. Eine Einladung auf einen Kaffee. Der erste Absatz einer Geschichte, die schon länger in dir herumspaziert. Oder ein Weg, an dem du hundertmal vorbeigefahren bist und heute endlich abbiegst.
Solche Momente verändern selten die ganze Welt. Doch manchmal verändern sie einen Nachmittag. Eine Beziehung. Den Blick auf das eigene Leben.
Und vielleicht fällt dir beim Hören überhaupt kein Mensch und kein Vorhaben ein. Auch gut. Dann ist da einfach ein wenig Zeit, die keinen Auftrag erfüllen muss.
Auch Nichtstun ist gelebte Zeit
Gerade in der dritten Lebensphase kann ein neuer, heimlicher Leistungsdruck entstehen. Jetzt soll endlich gereist, gelernt, gewandert, musiziert, geholfen und jede freie Minute sinnvoll genutzt werden. Der Ruhestand bekommt einen Terminkalender, bei dem selbst das frühere Berufsleben kurz die Augenbraue hebt.
Darum gehört ein weiterer Satz unbedingt zu dieser Folge: Vielleicht musst du gerade gar nichts tun.
Zeit wird nicht erst wertvoll, wenn wir etwas Vorzeigbares aus ihr machen. Sie darf still sein. Ein Blick aus dem Fenster. Ein langsamer Spaziergang. Ein Nachmittag ohne Ergebnis. Ein Gespräch, das nirgendwohin führen muss. Das Leben geschieht schließlich auch dort, wo nichts erledigt wird.
Vielleicht ist genau das die Gelassenheit, nach der wir in unserem Podcast immer wieder suchen: zu spüren, was jetzt dran ist. Und ebenso zu merken, was heute einmal liegen bleiben darf.
Was wir dir wirklich schenken möchten
„Vielleicht ist das Kostbarste, was wir dir zur 200. Folge schenken können, keine weitere Geschichte. Sondern Zeit für dich, Zeit für etwas oder wen.“
Dieser Satz ist der Mittelpunkt unserer Jubiläumsausgabe. Natürlich können Catharina und ich dir keine Lebenszeit überreichen. Wir können jedoch früher aufhören zu reden. Den Raum danach lässt die Folge frei.
Was du mit diesem Raum machst, bleibt bei dir. Vielleicht greifst du zum Telefon. Vielleicht sagst du endlich diesen einen Satz. Vielleicht tust du etwas, das schon zu lange im Warteraum „irgendwann“ sitzt. Vielleicht bleibst du einfach noch einen Moment still.
So oder so: Danke, dass du uns zuhörst. Danke für dein Vertrauen, für deine Rückmeldungen, deine Fragen und auch für deinen Widerspruch. Zweihundert Folgen sind für uns ein Grund zur Freude. Und zu einer leisen Feier, die nach 200 Sekunden endet.

Bertram Kasper ist Podcaster, Blogger, Autor, Speaker, Altersstratege und wird gerne als Visionär in Sachen Älterwerden bezeichnet. Ihm ist es ein Anliegen, mit seinem Podcast, seinem Magazin und seinen Vorträgen einen differenzierten Blick auf das Älterwerden zu werfen.
Hier auf seiner Internetseite können Sie seinen Podcast hören, in seinem Magazin lesen und ihn für Vorträge buchen.
Und jetzt gibt es das Buch zum Podcast. Es erscheint am 07.04.2026 unter dem Titel „Die größte Reise deines Lebens – mit Gelassenheit älter werden“ und ist hier z. B. vorbestellbar: Buch 7