Schon seit einigen Jahren vollzieht sich ein gigantischer Wandel in unserer Gesellschaft. Die Zahl der Menschen über 60 nimmt stetig zu und bekommt gerade durch die Generation der Baby Boomer neuen Nachschub. Der demographischer Wandel wird auch gespeist durch die Tatsache, dass wir immer länger leben, länger gesünder bleiben und das bei weiteren enormen medizinischen Fortschritten. Das heutige Durchschnittsalter der Männer liegt bei 79 Jahren und das der Frauen schon bei über 83 Jahren, bei weiter steigender Tendenz. Wie wird unsere Gesellschaft auf diese Veränderungen reagieren. Wird sie sich zu einer Pro Aging Gesellschaft entwickeln?

Sich jünger fühlen

Zudem zeigt die Forschung, dass sich Menschen über 60 im Schnitt je nach Alter ca. 8 – 10 Jahre jünger fühlen, als ihr tatsächliches Alter ist. Niemand scheint wirklich älter werden zu wollen. Ganze Industrien haben sich auf diese Tatsache eingestellt und entwickeln eine Unzahl von Anti Aging Produkten bzw. Anti Aging Konzepten. Der Traum vom forever young bestimmt eine vom Jugendlichkeitswahn getriebene Gesellschaft. Doch entspricht dies noch der gesellschaftlichen Realität oder sind wir schon einen Schritt weiter?

Altern neu denken

Altern neu denken entspricht aus meiner Sicht mehr und mehr dem eigentlichen Blick auf das Älter werden. Pro Aging, Free Ager, Golden Mentoren – Begriffe die einen neuen Zeitgeist des Alterns markieren und von Zukunftsforschern wie Matthias Horx schon seit Jahre prognositiziert werden. Auch die Generali Altersstudie 2017 zeigt, dass Menschen zwischen 65 – 80 Jahren sehr zufrieden mit ihrem Leben sind und Altern nicht als Makel sondern als Chance und Abenteuer erleben. Die Zahlen von arbeitenden Menschen über 65 nimmt langsam, doch kontinuierlich zu. Das ehrenamtliche Engagement ebenso. Die agilen Alten, die sich frei und vital fühlen und die 20 oder 25 Jahre nach der Arbeit als geschenkte Jahre sehen und sich auch so verhalten. Sie leben einfach und sie leben frei, selbstbestimmt und mit Freude. Sie schären sich nicht um die Stereotypen in den Medien und gestalten konsequent einen Gegenentwurf. Und so entwickeln sie konsequent eine Pro Aging Gesellschaft.

Ein Beispiel für das neue Grau

Greta Silver, steht unter dem Motto: „Jugendwahn war gestern – heute rockt das Alter“ schrill und bunt für eine neue Sicht auf das Altern auf. Ihr Podcast heißt deshalb auch „Glücklich sein ist eine Entscheidung“ und sie meint selbstverständlich unabhängig vom Altern. In Interviews spricht sie davon, dass ihr Glaube für sie dabei eine wichtige Quelle und Inspiration ist. Auch wenn sie mir ein wenig zu schrill rüberkommt, finde ich doch, dass sie ein wichtiges und auch überfälliges Zeichen setzt.

Altern dürfen

Es geht doch darum, sich alt fühlen zu dürfen und auch ruhig so alt, wie ich tatsächlich bin und das ohne ein Manko zu empfinden.

„Alter ist nicht ‚bald sterben‘, sondern ‚jetzt leben‘ und der Tod gehört dazu – das wäre ein inklusives Modell.“

Harald Katzmair