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Schönheit im Alter: Warum Eigensinn strahlt

Im Gespräch mit Katrin Sorgenfrey – Heilpraktikerin, Feelgood‑Mentorin und Grenzgängerin zwischen Pflege, Poesie und Pragmatismus

Manchmal beginnt es mit einer Lupe und einem Cremetiegel – und endet bei einer Diskokugel. So ungefähr verläuft die Lebenskurve von Katrin Sorgenfrey: Kosmetikerin, Werbekauffrau, lange Assistentin „hinter den Kulissen“, heute Heilpraktikerin und Mentorin für ein erweitertes Schönheitsbewusstsein. In unserer neuen Podcastfolge von „Gelassen älter werden“ sprechen wir über innere und äußere Schönheit, über Mut, über das Schmücken (ohne Maskerade) und darüber, wie man den Vergleichs‑Sog der Medien wieder aus den eigenen Zellen schüttelt.

„Am Ende geht es nicht nur um Schönheit – es geht um Liebe und darum, seinen Platz hier auf Erden einzunehmen.“ – Katrin Sorgenfrey

Vom Außen ins Innen: Katrins Weg

Schönheit prägte Katrins Start ins Berufsleben – sichtbar, greifbar, duftend. Im Kosmetikstudio der Mutter lernte sie früh die Magie der Verwandlung kennen: Frauen kommen angespannt und gehen aufgerichtet. Dann die 90er, Hamburg, Werbung war „the place to be“. Glatte Gesichter, große Gesten; Karriere nahe, Zugehörigkeit fern. Später öffentlich‑rechtlicher Rundfunk – viel Inhalt, wenig Individualität. Und dann das Leben: Kinder, klassische Rollenaufteilung, „die Frau von“ – und das leise Fremdwerden mit sich selbst.

Die Wende kam nicht als ein großer Knall, sondern schichtweise: Heilpraktikerschule, körpernahe Arbeit, freier Tanz, Frauengruppen. Trennung, Pandemie, innere Brüche. Und mittendrin die Einsicht: Schönheit ist kein Styling, sondern Beziehung. Beziehung zu dir, zu deinem Körper, zu deiner Geschichte – ja, auch zu deinen Schrammen.

Innere Foundation statt Fassaden‑Make‑up

Katrin benutzt gern ein Bild aus der Kosmetik: Bevor Farbe, Puder, Lidstrich – braucht es eine Foundation. Übertragen heißt das: Selbstwert zuerst. Wer sich im Kern minderwertig fühlt, kann die Unsicherheit nicht überschminken; sie scheint durch, früher oder später.

Daraus folgt keine Purismus‑Predigt. Schmücken darf spielerisch sein – Tücher, Ohrringe, ein Lippenstift, eine Haltung. Es geht nicht um „mehr“ oder „weniger“, sondern um stimmig. Und ja, ein professionelles Fotoshootingkann Wunder wirken: die eigenen Facetten sehen, bevor sie im Alltag wieder untergehen. Nicht fürs Außen – für den Blick nach innen.

Der Vergleichs‑Sog: Medien, Ideale, Dilemmata

Werbung, Magazine, Social Feeds – die Botschaften widersprechen sich im Stundentakt: „Du bist gut, wie du bist“ – und auf der nächsten Seite doch die Diät. Katrin hat diese Reibung an sich selbst beobachtet. Ihr Gegenentwurf: Brille wechseln. Trainiere, ältere Schönheit wahrzunehmen – die gelassene Stirn, der Humor in den Augen, das eigenwillige Muster eines Lebens. Schönheit ist nicht trotz Alter da, sondern durch das Alter – weil Reife Nuancen kann, die Jugend noch nicht kennt.

Werkzeuge für die innere Entkopplung

Wie löst man die Klettverschlüsse im Kopf und auf der Haut? Katrin arbeitet mit Methoden der energetischen Psychologie:

  • EFT/Klopfakupressur: Bewertungen, Bilder und rigide Überzeugungen prozessieren; der Körper hilft dem Gefühl, das Gefühl entlastet den Kopf.
  • Logosynthese (in Ausbildung): Resonanzen erkennen und lösen – damit das Plakat an der Bushaltestelle nicht mehr mit dir spazieren geht.
  • Rituale in Bewegung: freier Tanz, Körperarbeit, bewusstes Schmücken. Gemeinschaft als Katalysator – Frauengruppen, Mut‑Räume statt Perfektions‑Bühnen.

Aus ihrer „Beauty‑Revolution“ wurde die Body‑Love‑Journey – inklusive Mut‑Calls: kurze, alltagstaugliche Sessions, in denen Frauen spüren, was jetzt dran ist. Nicht Programmkorsett, eher Erlaubnisschein.

Disco‑Kugel‑Feeling: Funkeln aus Scherben

Die Metapher, die bleibt: die Disco‑Kugel. Sie besteht aus vielen Spiegelscherben – wie Biografien eben. Nicht glatt, nicht perfekt. Dreht sich Licht um sie, bricht es in tausend Richtungen. So lässt sich Altern denken: Wir sind Facettenwesen. Und ja, da war Bruch; aber genau daraus entsteht Funkeln.

Katrins Praxis übersetzt das in konkrete Erfahrungen: Tanzräume, Spiegelübungen, Rollenwechsel (die Lady, das Kind, die Business‑Frau, die Wilde). Wer die innere Disko einmal spürt, braucht weniger Applaus von draußen – und traut sich trotzdem, gesehen zu werden.

Gelassenheit: Vertrauen, Verbundenheit, Verbindlichkeit

„Gelassenheit heißt Vertrauen“, sagt Katrin. Vertrauen in die eigene Verwurzelung – und in die Bande zu anderen. Sich mit Gleichgesinnten zusammentun, Ängste aussprechen, Emotionen steuern lernen; den inneren Krieg beenden, statt ihn täglich neu zu befeuern. Gelassenheit ist kein Zustand, eher eine Praxis – unaufgeregt, freundlich, wieder und wieder.

Fünf Mini‑Impulse für deinen Alltag

  1. Spiegel‑Ritual (2 Minuten): Einmal täglich: Blickkontakt mit dir. Ein Satz, laut gesagt: „Ich darf so sein. Heute schmücke ich mich für mich.“
  2. 10‑Minuten‑Tanz: Ein Lied, Kopfhörer, Tür zu. Nicht hübsch – ehrlich. Der Körper kennt Abkürzungen zur Stimmung.
  3. Kleiderschrank‑Kur: Ein Teil, das kneift oder ständig Selbstzweifel flüstert – aussortieren. Ein Teil, das Mut macht – nach vorn.
  4. Foto‑Date mit dir: Ein Mini‑Shooting (Selfie reicht), drei Gesichter: weich, wild, würdevoll. Ausdrucken. Hinschauen.
  5. Medien‑Detox light: Eine Woche lang den Feed kuratieren. Fünf Accounts, die reifes Schön‑Sein zeigen, folgen; drei, die dich klein machen, stummschalten.

Zum Weiterdenken