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Dolce Vita fürs Älterwerden: Was Stefan Maiwalds Barleben mit Gelassenheit zu tun hat
Manchmal reicht ein kleiner Moment: ein Espresso, ein „Na, wie geht’s denn“ am Tresen, ein Lächeln, das nicht geplant war. Und zack, der Tag wirkt weniger kantig. In der Podcastfolge von „Gelassen älter werden“ erzählt Stefan Maiwald, wie das Leben auf Grado an der Adria ihn geprägt hat, und warum eine italienische Bar mehr sein kann als ein Ort für Kaffee.
Zur Podcastfolge: [Link zur Episode einfügen]
Inhaltsverzeichnis
- Eine Bar ist kein Café und auch keine Kneipe
- Zugehörigkeit als stiller Schutz gegen Einsamkeit
- Flanieren ohne Leistungsdruck
- Spaghettata und andere Rettungsringe im Alltag
- Mut zur Unvollkommenheit
- Drei Ideen, die Sie morgen testen können
Eine Bar ist kein Café und auch keine Kneipe
In Deutschland denken viele bei „Bar“ an Alkohol und an später wird’s laut. In Italien ist das oft genau andersherum. Stefan Maiwald beschreibt Pinos Bar als Treffpunkt fürs ganze Viertel: Ehemalige Bürgermeister sitzen neben Fischern, ältere Stammgäste neben jungen Leuten, und niemand muss erst „reinpassen“, um da zu sein.
Pino selbst ist dabei fast schon eine Romanfigur: mit 15 nach Hamburg, Jahre zur See, später zurück nach Grado und eine Bar eröffnet, die sich wie ein sicherer Hafen anfühlt. Dieses Bild bleibt hängen, weil es so schlicht ist. Ein Ort, an dem man auftauchen darf, ohne groß was zu liefern.
Zugehörigkeit als stiller Schutz gegen Einsamkeit
Eine Szene aus dem Gespräch geht mir nicht aus dem Kopf: „Wo ist denn Paulo, den haben wir seit zwei Tagen nicht gesehen.“ Und dann wird nicht diskutiert, ob man sich einmischen „darf“, sondern jemand ruft an. Am Ende steht Paulo tatsächlich vor der Tür, zehn Minuten später, einmal rundum bequatscht, einmal zurück ins Leben gelockt.
Das ergibt Sinn, weil Einsamkeit selten mit großen Dramen anfängt. Meist beginnt sie leise, mit Rückzug, mit „ich bleib heut lieber daheim“. Genau da wirkt Gemeinschaft wie ein Geländer.
Stefan bringt es in der Folge auf einen Satz, der fast wie eine kleine Lebensregel klingt: „Geht den Weg nicht allein.“
Flanieren ohne Leistungsdruck
Dolce Vita hat ja schnell solch einen Postkartenruf: Sonne, Meer, Aperitivo. Stefan Maiwald macht’s alltagstauglicher. Sein Lieblingsimport ist das Flanieren. Kein Schrittzähler, kein „Ich muss noch“, kein Handy als ständiger Antreiber. Einfach gehen, gucken, kurz stehenbleiben, vielleicht sogar die Inschrift an der Statue lesen, an der man seit Jahren vorbeiläuft.
Und ja, das ist ein bisschen wie ein Trick gegen das deutsche „Alles muss sinnvoll sein“ Diktat. Nicht hart dagegen kämpfen, eher sanft aussteigen.
Spaghettata und andere Rettungsringe im Alltag
Dazu kommt das Thema Kochen. Stefan erzählt von Lele, der einmal im Jahr für alle Gulasch macht, mit monatelanger Vorfreude und reichlich Theater drumherum. Das klingt lustig, ist aber auch ein ernstes Prinzip: Wer eine Aufgabe hat, bleibt innerlich länger „angeschaltet“. Und wer für andere kocht, ist nicht nur beschäftigt, sondern gebraucht. Im Bezug auf Stimmung ist das gar nicht zu unterschätzen.
Ein weiteres Wort aus Italien, das man sofort fühlen kann, ist die „Spaghettata“: ein großer Topf in der Mitte, alle bedienen sich, es wird geredet, gelacht, diskutiert, manchmal auch gestritten, aber auf diese Art, die nicht verletzt.
Mut zur Unvollkommenheit
Maiwald spricht auch über etwas, das man in Italien ständig sieht: draußen ist nicht alles geschniegelt. Ein Vorgarten darf wilder sein, ein Haus wird nicht jedes Jahr geschniegelt gestrichen. Dafür, und das ist der Clou, kann innen etwas Wunderschönes entstehen. Oder ein Blick aufs Meer, der schlicht alles relativiert.
Das ist keine Einladung zur Verwahrlosung. Eher eine Erinnerung: Nicht jede Energie muss in Kontrolle fließen. Ein bisschen Luft, ein bisschen Spielraum, ein bisschen „passt schon“ kann erstaunlich entlasten.
Drei Ideen, die du morgen testen kannst
- Ihr Mini Hafen
Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie regelmäßig kurz auftauchen: Bäckerei mit Tisch, Café, Bibliothek, kleiner Marktstand. Nicht für „Networking“. Einfach fürs Dasein. - Flanieren als Ritual
Einmal pro Woche 30 bis 60 Minuten spazieren, ohne Ziel und ohne Optimierung. Wenn Sie mögen, nehmen Sie sich einen einzigen Fokus mit: „Heute schaue ich nur nach schönen Türen“ oder „Heute lese ich Straßennamen“. - Ein Essen, das verbindet
Laden Sie jemanden auf eine einfache Spaghettata ein. Topf in die Mitte, keine Show. Hauptsache, es wird gemeinsam gegessen. Und wenn am Ende nur ein kurzer Abend rauskommt, reicht das völlig.
Wenn Sie tiefer hineinwollen: In der Podcastfolge erzählt Stefan Maiwald noch mehr über Pinos Bar, über Schreiben „allein, aber nicht einsam“ und über diese italienische Art, Menschen nicht einfach verschwinden zu lassen.
Erwähnt in der Episode
Stefans Podcast „Radio Adria“
Stefans Bücher „Das Italienprinzip“ und „Meine Bar in Italien“
Neues Buch: „Espresso unter Sternen. Eine Reise in Sachen Glück“

Bertram Kasper ist Podcaster, Blogger, Autor, Speaker, Altersstratege und wird gerne als Visionär in Sachen Älterwerden bezeichnet. Ihm ist es ein Anliegen, mit seinem Podcast, seinem Magazin und seinen Vorträgen einen differenzierten Blick auf das Älterwerden zu werfen.
Hier auf seiner Internetseite können Sie seinen Podcast hören, in seinem Magazin lesen und ihn für Vorträge buchen.
Und jetzt gibt es das Buch zum Podcast. Es erscheint am 07.04.2026 unter dem Titel „Die größte Reise deines Lebens – mit Gelassenheit älter werden“ und ist hier z. B. vorbestellbar: Buch 7