Heute Morgen am 31.12.2021 schien die Sonne. Das Wetter lud förmlich zu einem Spaziergang ein. Milde 11 Grad, starker Wind, also machte ich mich auf zu einer kleinen Jahreswechselwanderung. Zuvor schaute ich noch auf meinen Lebensteppich (eine von Thomas Oetzmann entwickelte Methode, die einlädt, die eigenen Fähigkeiten und Gaben des Lebens zu reflektieren und dabei unterstützt, eine Zukunftsvision für die vor mir liegenden Jahre zu etablieren), wollte ich doch mein Zukunftsbild und meine Gaben innerlich bei mir haben. Mir exklusiv für mich Zeit nehmen und gedanklich und emotional eintauchen in meine Jahre jenseits der 60.

Best ager – das Webmuster von 60 Jahren

Bei mir im Leben gibt es sechs zentrale Gaben und innerliche Spuren, die meine bisheriges Dasein zentral ausgemacht haben und vor allem gleichbleibend bedeutsam sind. Dazu gehört die Familie und zukünftig hoffentlich Enkelkinder, meine Verbundenheit zur Natur und damit verknüpft mein fast unbändiges Bewegungsbedürfnis, meine Balance zwischen Kopf und Bauch, das lebenslange Lernen in der Verbindung von Herz, Hand und Kopf, mein Freude zu schreiben und der Sommer verbunden mit Entdeckung der Kanaren als wärmender Ausgleich im Winter. Meine siebte innerliche Spur ist mein Glaube. Wie hat es Pater Anselm in meinem Podcast ausgedrückt „Glaube ist eine Entscheidung“ und ich habe sie ungefähr im Alter von 48 Jahren erneuert und sage in diesem Zusammenhang ausdrücklich herzlich danke an Schwester Jutta (eine Schwester der Schönstätter Marienschwestern). Sie hat mir durch viele Gespräche und durch ihren Glauben wichtige Impulse für diese Erneuerung geschenkt.

Gaben, die Zukunft schenken

Das erste Stück meines Weges führte mich durch Felder und Wiesen. Der Wind blies mich innerlich frei und machte meinen Kopf leer. Ich konnte die intensiven und schönen Erlebnisse mit unseren Kindern über die Weihnachtsfeiertage ein wenig loslassen. Während des gleichmäßigen Gehens tauchte ich nach und nach gedanklich und emotional ein in meine zukünftigen Jahre. Mir wurde bewusst, dass ich dafür in meinem Leben schon viele Grundlagen gelegt hatte. Ein wirklich beruhigender Aspekt, vor allem wenn es gelingt sich darüber Bewusstheit zu verschaffen.

Erst Anfang des Jahres bin ich einem Aufruf einer Ortsbeirätin in meinem Heimatort gefolgt und engagiere mich seitdem bei der Entwicklung eines Rundwanderweges. Schon nach meinem Studium zum Dipl. Supervisor hatte ich die Idee einmal einen Wanderweg zu konzipieren, damals natürlich mit einem Selbstreflektionsanspruch, sozusagen ein Weg zu mir selbst. Jahre später habe ich tatsächlich ein Konzept dazu geschrieben und das auch auf einer Wanderung diktiert. Bei diesen Gedankenspielen wurde mir plötzlich klar, dass ein Weg zu mir selbst gar nicht an einen bestimmten Wanderweg gebunden sein muss. War ich doch gerade auch gehend auf einem Weg zu mir selbst. Auslöser dafür waren meine Erfahrungen bei der Arbeit mit dem Lebensteppich. Ja da ist wieder der rote Faden der eigenen Gaben und zu Hause angekommen habe ich gleich die Domain „wege-zu-mir“ reserviert.

Verbindungen zwischen den Gaben des Lebens knüpfen

Während meines innerlichen Gedankenspiels haben sich 2 oder 3 meiner Gaben miteinander verknüpft. Die Freude an der Natur und Bewegung, die Lust lebenslang zu lernen und die Freude am Schreiben bzw. entwickeln. Und gerade diese Erfahrung ist für die Best ager in der dritten Lebensphase zentral bedeutsam. Wie verknüpfe ich meine Fähigkeiten, mein Wissen, meine Talente, wenn die Arbeit an sich beim Übergang in die Rente mehr und mehr an Bedeutung verliert. Wie komme ich weiter vor mit dem, was ich mir zu eigen gemacht habe? Kann ich mich damit generativ einsetzen? Wie kann ich weiter Spuren hinterlassen? Wie finde ich einen neuen Sinn? Alles Fragen, die in der dritten Lebensphase neu justiert werden und mit Aufmerksamkeit bedacht werden sollten. Auch wenn es bei mir bis zur Rente noch ein wenig Zeit ist, bin ich doch froh, dass ich mich schon auf den Weg gemacht habe. Es ist eine gute Erfahrung, sich selbst den Raum und die Zeit zu schenken. Damit schaffe ich mir innerlich einen Platz für meine Ängste und Sorgen, doch eben auch für meinen Hoffnungen, für meine Zuversicht und meine Freude auf die vor mir liegende Jahre.

Webmuster entdecken und neue Wege gehen

Und jetzt wünsche ich allen Menschen für 2022, dass sie ihre ganz persönlichen Webmuster und die damit verbunden Gaben und Talente entdecken, miteinander verknüpfen und neue Wege gehen.